Wie gehe ich am besten mit einer Kniearthrose um?

Wie gehe ich am besten mit einer Kniearthrose um?

ein Artikel von Fabian Michalczik, BSc und Theresa Wiehart

 

 

Die Kniearthrose ist eine chronische Erkrankung, die mit Schmerzen im Kniebereich und Funktionseinschränkungen im Alltag einhergehen kann. Sie tritt vorrangig im mittleren und hohen Alter auf. Klinisch zeigen Patient*innen mit Kniearthrose Schmerzen, Steifigkeit und Bewegungseinschränkungen im Kniegelenk. Nicht jedes sichtbar veränderte Kniegelenk löst automatisch Schmerzen hervor. Oft zeigen bildgebenden Verfahren (Röntgen, MRT) degenerative Veränderungen, ohne dass Betroffene Symptome bemerken. Sprich eine degenerative Veränderung im Kniegelenk führt nicht unbedingt zu einer symptomatischen Gelenksarthrose. Hier spielen auch andere Faktoren eine Rolle. Persönliche Einstellungen, Gedanken, Emotionen, Stress, Schlafverhalten und vieles mehr können Einfluss aufs Schmerzerleben nehmen. 

 

Wie kann eine Kniearthrose entstehen?

 

Die Kniearthrose kann sowohl idiopathische (unbekannte), sowie bekannte Ursachen haben. Wie auch bei vielen anderen Erkrankungen, ist die Arthrose nicht auf einen Grund zurückzuführen, sondern eine Kombination aus mehreren Faktoren. Einerseits können zu hohe genauso wie unzureichende Belastung arthrotische Veränderungen begünstigen. Traumatische Verletzungen in der Vergangenheit, aber auch genetische Faktoren können eine Rolle spielen. Auch ein ungesunder Lebensstil und Übergewicht sind nicht von Vorteil. Wie neuste Untersuchungen ergeben, kann auch eine Schwäche der Oberschenkelmuskulatur eine Kniearthrose begünstigen. 

 

Was wirkt sich positiv auf eine Kniearthrose aus?

 

Bewegung! Unsere Körper lebt von Bewegung, Belastung und Entspannung! Ohne stätiger Belastung bauen unsere Strukturen im Körper ab. Gerade der Gelenksknorpel liebt Be- und Entlastung. Er braucht die Bewegung, um sich von der Gelenksflüssigkeit überhaupt ernähren zu können. 

 

Training! Gerade durch Training können die Kniegelenksstrukturen kräftiger werden. Das ein Muskel stärker und robuster werden kann, ist den meisten bekannt. Aber wusstest du, dass auch anderes Gewebe im Körper kräftiger werden kann? Auch Knochen, Bänder, Sehnen und Knorpel können adaptieren und stärker werden. Außerdem kann Training bei Arthrose auch zur Schmerzreduktion führen. Es kann gleich wirksam wie orale Analgetika sein. Weiters führen physische Aktivität und Training auch zur Funktionsverbesserung und somit zu einer leichteren Bewältigung des alltäglichen Lebens. 

 

Wissen! Edukation spielt eine essenzielle Rolle. Mit Wissen zur Erkrankung, wie man Symptome positiv beeinflussen kann, was alles beim Schmerzerleben mitspielen kann, wie man selbst zu einer Besserung beitragen kann und vieles mehr, können sehr hilfreich sein, um mit der Situation besser umgehen zu können. Wissen kann auch Unsicherheiten und Ängste reduzieren und Vertrauen und Zuversicht stärken

 

Gewichtsreduktion bei Bedarf! Viele Studien haben gezeigt, wie positiv sich Gewichtsreduktion auf Kniearthrose auswirken kann. Natürlich trifft das nicht auf alle Personen mit Kniearthrose zu. Aber gerade bei übergewichtigen Betroffenen kann bereits ein geringer Gewichtsverlust positive Folgen mit sich bringen. Hierbei stellte sich vor allem eine Kombination aus gesunder Ernährung und Training als effektivste Variante heraus. 

 

Wie sieht die Behandlung bei Kniearthrose aus?

 

Die primäre Behandlung einer Kniearthrose beinhaltet Edukation und Selbstmanagement, Training und physische Aktivität und Gewichtsverlust bei Bedarf. Die drei Punkte sind der Kern der Behandlung, da sie gezeigt haben, dass sie Schmerzen effektiv lindern, Funktionen verbessern und die Lebensqualität steigern können. 

 

Wie hängt mein Oberschenkelmuskel (Quadrizeps) mit meiner Kniearthrose zusammen?

 

Der vordere Oberschenkelmuskel (auch Quadrizeps genannt) besteht aus vier Köpfen/Anteilen. Ein Anteil entspringt bereits am Becken. Die weiteren Oberschenkelknochen ziehen gemeinsam in eine Sehne, welche über die Kniescheibe die Kraft bis hin zum Unterschenkel überträgt. Aufgrund der Nähe zum Kniegelenk und der funktionellen Beteiligung an der Kniebewegung, ist ein Zusammenhang nicht überraschend. 

Außerdem sind Muskeln nicht nur für Bewegung, sondern auch für die Stabilisation der Gelenke zuständig. Kräftige Muskeln können den Druck auf das Gelenk reduzieren und somit Knorpel und weitere Strukturen im Gelenk entlasten. Weiters wird ein kräftiger Oberschenkelmuskel auch zu einer besseren Kniefunktion beitragen. 

 

Wie kann ich meinen Oberschenkelmuskel (Quadrizeps) trainieren?

 

Um den Oberschenkelmuskel zu trainieren, gibt es viele verschiedene Möglichkeiten. Es gibt sehr gute und leicht durchführbare Übungen. Sowohl für zu Hause als auch im Fitnessstudio. Diverse Varianten mit Langhantel, Kurzhanteln, Kettlebells, Resistance bands oder Körpereigengewicht. In einer Zeit mit einem übermäßig hohen Angebot an Informationen im Internet ist es oft schwierig, die geeigneten Übungen zu finden. Am besten du machst dir einen Termin mit einem unserer Physios (Fabian Michalczik, Florian Gruber und Bettina Moser) aus, um für dich persönlich passende Übungen zu finden, ein Trainingsvorgehen zu planen und laufend zu anzupassen.  

 

Neben einem klassischen Krafttraining kann auch das Blood Flow Restriction Training eine geeignete Alternative, gerade bei symptomatischen Patient*innen darstellen. Diese spezielle Art von Training löst meist eine geringere Irritierbarkeit bei den Betroffenen aus. Wenn du Fragen zu dieser speziellen Trainingsmethode hast, wende dich am besten an unseren Spezialisten Fabian Michalczik .

 

Wie kann ich ohne viel Aufwand und Zeit meine Oberschenkelmuskulatur stärken?

 

Auch im Alltag können ganz leicht Aktivitäten eingebaut werden, die zur Stärkung der Oberschenkelmuskulatur beitragen können. Viel Spazierengehen, gerade mit Steigungen oder schnelleres Gehen aktivieren die Beinmuskulatur. Die Stiegen statt den Lift benützten, ist eine sehr simple Aktivitätssteigerung. Gerade bei längerem Sitzen, können zwischendurch leicht Kniebeugen eingebaut werden. Sie werden auch Squats oder Sit to stands genannt. 

Nicht nur die Oberschenkelmuskulatur profitiert von mehr Bewegung und Aktivität in deinem Alltag, sondern auch dein gesamter Körper und dein Wohlbefinden. Bewegung bringt sehr viele positive Benefits mit sich. Warum z.B. Sport glücklich macht, kannst du in einem unserer weiteren Blogs lesen.

 

 

 

 

 

Um gezielt an deiner individuellen Problematik zu arbeiten, deine persönlichen Bedenken zu besprechen und ein optimales Training für dich gestalten zu können, schreib uns und mach einen Termin bei uns aus. Wir freuen uns, gemeinsam mit dir daran arbeiten zu können!